Gebäude 26

Architekt: Professor Ludwig Lemmer, Berlin
Evangelische Kaiser- Friedrich - Gedächtniskirche

Als einziger Bau im neuen Hansaviertel ist die Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche auf unzerstört gebliebenen Fundamenten an alter Stelle wiederaufgebaut worden. Dadurch war die Entwicklung des Baukörpers in der Ebene von vornherein festgelegt. Die Turmhöhe beträgt rund 65 m. Die Kreuzspitze ist also etwa gleich hoch wie der Kranz der Siegesgöttin auf der Siegessäule.

Die Gesamtkonzeption des Baues wurde von innen nach außen entwickelt. Sie ging aus von der aus liturgischen Gründen erwünschten Hauptachse, die durch das Hauptportal, den Mittelgang und die Mitte des Altars verläuft. Mit der Kanzel in unmittelbarer Verbindung steht das Altarpodest, auf dem sich Lesepult, Taufstein und Zugang zur Sakristei befinden. Diese ist außerdem von außen und vom Treppenhaus an der Südwestecke des Gebäudes zu erreichen, an das auch die Seitenemporen und die darunterliegende Wochentagskirche angeschlossen sind. Hauptkirchenraum und Wochentagskirche können bei Bedarf zu einem Raum vereinigt werden. Im Untergeschoss - unter der Wochentagskirche - liegen ein Konfirmationszimmer, Archiv und technische Räume. Eine weitere Treppe führt von der Eingangshalle zu den Emporen. Da die Raumhöhe der Eingangshalle gering gehalten ist, wirkt der Hauptraum, dessen Decke von der Orgelseite von knapp 9 m auf fast 11 m nach der Altarwand hin steigt, um so weiträumiger. Diese Bewegung längs der Mittelachse auf den Altarraum zu spiegelt sich auch im Äußeren des Baukörpers.

Das über 100 qm große, von Georg Meistermann gestaltete Fenster auf der Südostseite ist die bei weitem größte Lichtquelle. Die Wände des Altarraums, die nur durch ein schmales Seitenfenster von Heinz Trökes unterbrochen sind, haben eine farbige Mosaikhaut, die übrigen Innenwände, in die das Orgelgehäuse eingebaut wird, werden mit Naturholz und teilweise mit eingelegten Aluminiumstäben verkleidet. Die gleichen Leichtmetallstäbe kehren an der Kanzel und an dem Lexionar wieder. Die gegen Schwitzwasserbildung besonders isolierte Stahlbetondecke ist infolge einer daruntergehängten Aluminiumdecke, die zugleich als akustische Decke wirkt, unsichtbar. Stahlbeton und Aluminium sind die Hauptbaustoffe. Die Außenflächen des Stahlbetons bleiben unbehandelt (Sichtbeton). Mittels einer Spende der Aluminiumindustrie konnten Fenster und Türen, Treppen- und Brüstungsgeländer und ein Teil der Turmelemente einheitlich in Leichtmetall ausgeführt werden. Parallel zu den vier schmalen Stahlbetonrippen des Turmes verlaufen acht Leichtmetallrippen bis in die Spitze, wo sie in das rund 10 m hohe Leichtmetallkreuz münden. Die drei Glocken wurden von den Hansestädten Hamburg, Lübeck und Bremen gestiftet.
Die drei Eingangstüren sind von Gerhard Marcks künstlerisch geformt. Die Gestaltung der Rundfenster lag in Händen des Berliners Peter Kowalski.

Das Pfarr- und Gemeindehaus hat nur ein Hauptgeschoss in der Höhe des Innenhofes, der - dem Tiergarten zugewandt - im Sommer Gottesdienste im Freien gestattet. Der südliche Teil des Pfarrgebäudes enthält die Arbeitsräume der Gemeindeschwester und zwei Versammlungszimmer für die Gemeindejugend. Das Hauptgeschoss nimmt die Wohnungen des Pfarrers und des Küsters sowie die Büroräume der Gemeindeverwaltung auf.

Technischer Mitarbeiter
des Architekten: Professor Kurt Enderlein (Berlin)
Statik: Professor Dr.-Ing. Werner Köpcke (Berlin)
Gartengestaltung: Ernst Caomer(Zürich)
und Otto Valentien (Stuttgart-Riedenberg)

LUDWIG LEMMER
I. Baugeschichte
Der Vorgängerbau der heutigen Kirche wurde parallel zur Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in Charlottenburg 1895 fertig gestellt. Damit sollte das Gedächtnis Kaiser Friedrich III., des Sohns Kaiser Wilhelm I. erhalten werden, der nach nur 99-tägiger Regentschaft 1888 verstarb.
Die heutige Kirche steht als einziges Bauwerk im Hansaviertel auf den Fundamenten des im Krieg zerstörten Gotteshauses. Die Ruine des Turms wurde erst 1953 gesprengt. Der Kirchbau ist Bestandteil des Hansaviertels, das auf vielfältige Weise mit der Vergangenheit „abrechnete“ und in die Zukunft weisen wollte: gegen die steinerne Stadt wurde eine durchgrünte Stadtlandschaft errichtet, gegen die Gründerzeit die Moderne gesetzt, gegen den kommunistischen Osten der freiheitlich demokratischen Grundordnung Raum geschaffen.
Architekten aus aller Welt setzten im Hansaviertel Maßstäbe für zukünftiges Bauen.

Der Neubau der Kirche entstand 1956/57 nach Plänen von Ludwig Lemmer, *1891 in Remscheid, †1983. Der Turm ragt 68 m hoch und bekam im Volksmund den Namen „Seelenbohrer". Nach den Vorstellungen des damaligen Gemeindepfarrers sollte er viel höher werden, damit sein angestrahltes Kreuz auch weit im Osten noch sichtbar sei. Die Kaiser-Friedrich-Gedächtnis-Kirche steht für die Moderne der 1950er Jahre Das wird deutlich in der Wahl der Baustoffe (Stahlbeton, Glas und Leichtmetall - dafür der Spitzname „St. Aluminium"), in der räumlichen Anordnung nach innen und nach außen, in der für evangelische Kirchen damals neuartigen Multifunktionalität und schließlich in der landschaftlichen Einbettung, die so auch die in Brandenburg-Preußen typischen Traditionen aufnimmt.
Auf diese Weise ist es gelungen, den Anspruch der Kirche, an der Gestaltung der Moderne mitzuwirken, auf eindrucksvolle Weise zu verdeutlichen.
II. Kunstwerke und Ausstattung
Die Kirche versteht sich als ein Gesamtkunstwerk, das auch den Außenraum mit einbezieht. So sind die Kunstwerke Bestandteil der räumlichen und flächenhaften Konzeption. Bemerkenswert ist das 127 qm große Glasfenster von Georg Meistermann. Das Glasmosaik, in der Altarseitenwand stammt von Heinz Trökes. Im Gemeindesaal ist das Glasbild (von 1957) „Christus an der Mauer" des Schweizer Willy Fries zu sehen. Das Relief an der Eingangstür „St. Georg und der Drachen" schuf der Bildhauer Gerhard Marcks.
III. Schwerpunkte kirchlicher Arbeit
Die Gemeinde stellt sich den Herausforderungen einer veränderten Gesellschaft, gerade auch in einem vom demographischen Umbruch besonders geprägten Stadtteil Sie bietet für die unterschiedlichsten Interessengruppen Möglichkeiten des gegenseitigen Austauschs und der Begegnung untereinander und mit dem Evangelium, der Frohen Botschaft an.
Zu diesen Gesprächsangeboten gehören a) Biblische Erfahrung und Selbsterfahrung; b) Grenzerfahrungen des Leben c) Kunst und Religion d) Sinnfragen e) Ökumenisches Bibelgespräch f) Leseerlebnisse g) Der Seniorentreff („Montagskreis“ und Besucherdienstgruppe) ermöglicht den Kontakt untereinander, Begleitung im Alter und Seelsorge
Pfarrer Jürgen Willms ist über die Sprechzeiten (Di. u. Fr. 9-11 Uhr; Do 18-19 Uhr) hinaus zur Seelsorge bereit. (T ei. 3916800) Kaiser-Friedrich-Gedächtnis-Kirche Händelallee 20 10557 Berlin
Tel. : 030.391 13 01 Fax: 030.39 74 68 76
www.KFG-Berlin.de
E-Mail: Kontakt@kfg-berlin.de
Info-meerbaum-haus.de
Bürozeiten Mo-Fr 9-12 Uhr
Bankverbindung Kto -Nr 4805739800 BLZ 10020022 Berliner Bank
Verkehrsmittel S-Bahnhof Tiergarten, U-Bahnhof Hansaplatz, Bus
IV Gottesdienste
Gottesdienst und Kindergottesdienst (1x im Monat) Sonn- und feiertags 11.00 Uhr; Offene Kirche Mo-Fr 9-12 u Do 18-19 Uhr
Meerbaum-Haus Das Meerbaum-Haus, Siegmunds Hof 20, 10555 Berlin, ist das Familienzentrum der Gemeinde. Hier haben die Familien- und die kinderbezogene Arbeit ihren festen Sitz. Die Leitung hat Frau Ute Stein,
Tel. 74764806, Fax: 74764807.