Gebäude 25

Architekten: Professor Klaus Müller-Rehm und Gerhard Siegmann, Berlin
17geschossiges Wohnhaus
Klopstockstraße 2, "Punkt"-Hochhaus" - „Giraffe“

Lage: Südwestecke, Nähe S-Bahnhof Tiergarten.
Der erste Grundstein im neuen Berliner Hansaviertel wurde zu diesem Bau am 5. August 1955 durch Bundeswohnungsbauminister Preusker gelegt. - Bei einer größten Länge von 50 m und einer Breite von 21 m erreicht das Haus auf einer Grundfläche von 450 qm 53 m Höhe. In seinen 17 Geschossen wurden 164 Wohnungen, meist Appartements, gewonnen.

Gründung: Die Bodenbeschaffenheit im Hansaviertel machte bei den meisten Objekten besondere Gründungsmaßnahmen erforderlich. Während in der Regel auf künstlich eingebrachtem, gerütteltem und damit verdichtetem Boden gebaut wurde, ist beim Objekt 1 die Bodenverdichtung durch Spickpfähle erreicht worden. Dazu wurden 240 rund 4,50 m lange Holzpfähle eingerammt.

Konstruktion: Schottenbauweise nach schwedischem Verfahren. Die Außen- und die tragenden Wände sind in Beton geschüttet. Alle tragenden Wände haben mit 20 cm vom Erd- bis zum 17. Geschoss die gleiche Stärke. Lediglich die Bewehrung wurde nach oben hin verringert. Um die Dämmwerte zu erhöhen, sind die Außenwände mit Betonplatten belegt worden, an deren Rückseite eine Isolierschicht angegossen ist.
Die Masse dieser vorgefertigten Platten entsprechen den Geschosshöhen und den Abständen der großen Öffnungen. Sie wurden, ebenso wie die Trennwände, auf der Baustelle gegossen, wobei Tür- und Fensterzargen sowie die Kanäle für die Installationsleitungen in den Beton eingelassen worden sind. Installationen brauchten nach der Montage der Trennwände nur noch ineinandergeschoben zu werden. Daher konnte das Gebäude von lediglich 60 Leuten erstellt werden, wovon 20 ausschließlich mit dem Einbringen der Installationen beschäftigt waren. Die Holzrüstung ist mit dem Wachsen des Hauses von Stockwerk zu Stockwerk noch oben gehoben worden, so dass diese immer nur über eine Etage eingerüstet war. Das Haus ist weder innen nach außen geputzt. Die Außenfassade erhält einen lichten farbigen Anstrich.
Den Kern des Gebäudes bildet das Treppenhaus mit der Aufzugsanlage und der ihr vorgelagerten Halle. Es ist Bindeglied zwischen den von Osten und Westen anschließenden, leicht versetzten Baukörpern. Die Treppenkonstruktion wurde also zu der Grundrissanordnung ausgenutzt, die etwa der Form eines "Z" entspricht. Das einzige Treppenhaus ist von jeder Wohnung aus über offene Galerien oder Vorplätze zu erreichen. Daher entspricht es auch den Sicherheitsbestimmungen im Hochhausbau, denn ein "Verqualmen" des Treppenhauses ist somit unmöglich.

Im Kellergeschoss des mit allen in einem Hochhaus erforderlichen technischen Einrichtungen ausgestatteten Gebäudes liegen die Heizungsanschlüsse für die Fernheizung und die Druckerhöhungsanlage. Ferner sind darin der Müllraum eingebaut und die Elektrozentrale installiert. Der Rest steht den Mietern für Abstellräume zur Verfügung.

Wohnungen: In jedem der Normalgeschosse liegen zehn Appartements, von denen vier nach Westen und vier nach Osten orientiert sind. Diese haben eine Grundfläche von 32 qm, während die nach Süden aufgeschlossenen Appartements 42 qm groß sind. Nur eine Einheit (2 1/2-Zimmer-Hauswartwohnung) übersteigt mit einer Wohnfläche von 75 qm erheblich den Durchschnitt. Insgesamt beläuft sich die Wohnfläche auf 5498 qm.
Die Architekten haben soweit wie möglich die zehn auf jeder Etage liegenden Appartements „individualisiert“ obgleich alle die gleiche Deckenspannweite haben. Die Lösungen der vier südlichen Eckwohnungen sind ohnehin Sonderfälle, aber auch die Grundrisse der Appartements im Zentrum hat man stark variiert. Während bei den drei Mitteltypen auf der Westseite ein möglichst großer Wohnraum auf Kosten der Nebenfläche angestrebt worden ist (Kochschrank statt Küche), erhalten die drei nach Osten gelegenen Appartements eine abgeschlossene Kochnische mit Außenfenster. Man ist geneigt, das Appartement mit der Kochnische als „weiblichen“, das mit dem Kochschrank als „männlichen“ Typ zu bezeichnen, denn es wurde angenommen, dass sich Frauen für den ersten, Junggesellen aber für den zweiten Typ entscheiden dürften.

Statik: Statisches Büro Hermann Schäfer
Prüf-lng.: Dipl.-Ing. K. Assmann
Bauleitung: Architekt Alfred Rahn
Gartengestaltung: Professor Hermann Mattern (Kassel)
und René Pechère (Brüssel)

KLAUS MÜLLER-REHM, GERHARD SIEGMANN
Klaus Müller-Rehm, *1907 in Berlin, †1999 in Berlin. Studium und Diplom an der Technischen Hochschule 1931 bei Hans Poelzig. Von 1932 bis 1933 Mitarbeiter bei Charles Sicles in Paris. 1935 bis 1945 Arbeit als Regierungsbaurat. 1945 wurde er von Max Taut an die neu gegründete Architekturabteilung der damaligen Hochschule für bildende Künste in Berlin berufen, wo er Entwurfsseminare leitete und an Hochschulgremien mitwirkte. Ihm ist die Berufung von Julius Posner an die Hochschule zu verdanken. Der Schwerpunkt seiner Arbeit als Architekt war der Wohnungsbau. Für die internationale Bauausstellung im Berliner Hansaviertel entwarf er zusammen mit dem Architekten G. Siegmann sein wohl bedeutendstes Projekt, für dieses „Junggesellenhochhaus“, ein Apartmenthaus, in dem die Grundrisse mit innenliegenden Bädern, Kochnischen und begehbaren Schrankräumen als richtungsweisend galten. Auch wurde von ihm ein „Sicherheitstreppenhaus“ entwickelt. Dieses wurde später in die Bauordnung aufgenommen und ist seither Standard im Hochhausbau.

Gerhard Siegmann, geboren 1911 in Münder/Deister. Er studierte an den technischen Hochschulen in Stuttgart und Berlin-Charlottenburg bei Heinrich Tessenow und Hans Poelzig. 1945 erhielt er sein Diplom bei Tessenow. Noch im selben Jahr entstand sein erstes großes Wohnhaus in Neufahrland. In den folgenden Jahren beschäftigte er sich mit Fragen zu Verkehrslösungen in Kiel und Hamburg. Nach 1945 war Siegmann als freischaffender Architekt tätig und beschäftige sich mit dem Wiederaufbau kriegsbeschädigter Gebäude. 1951 erhielt er in dem Wettbewerb für das Gebäude der Berliner Bank in der Hardenbergstraße den ersten Preis und bekam die Planung sowie die künstlerische Oberleitung für die Errichtung des Gebäudes übertragen. Seine städtebauliche Lösung „Rund um den Zoo“ in Berlin und seine Pläne zum Bau von Wohnhäusern für die Bausparkasse Wüstenrot wurden angekauft.