Gebäude 24

Architekten: Professor Walter Gropius, USA,
mit dem TAC (The Architects Collaborative)
Berliner Mitarbeiter: Professor Wils Ebert
9 geschossiges Wohnhaus
Händelallee 3-9, "Zeilen"-Hochhaus

Lage: lm Südwesten des Hansaviertels, an der Mündung der Händelallee in der Klopstockstraße.

Konstruktion: Das Gebäude ist etwa 25m hoch, 10m tief und 80 m lang. Es ist eine Kombination von vier normalen Zweispännern, die an den von Norden in das Haus hineinragenden Treppenhäusern aneinanderstoßen. Der Baukörper ist leicht gekrümmt, so dass sich seine Südfront im Bogen zum Tiergarten hin öffnet. Zu den tragenden Teilen der auf Vollbetonfundamenten errichteten Stahlbetonskelettkonstruktion gehören auch die 20 cm dicken Wände der Treppenhäuser. Außenwände sind auf den Längsseiten mit 24 cm dicken Dreikammer-Hohlblocksteinen ausgefacht. Während die Stützen der Konstruktion in Sichtbeton ausgeführt sind, wird das Hohlblockmauerwerk außen geputzt. Die Balkonbrüstungen sind mit weiß emailliertem Stahlblech verkleidet.

Gliederung: Da das Haus keinen Keller hat, ist das Erdgeschoss als Wirtschaftsgeschoss ausgebaut worden. Hier liegen die Abstellräume der Mieter, Anschlüsse für die Fernheizung und die automatischen Waschküchen. Das Haus hat 8 Wohngeschosse und - nur über seinem Westteil - ein zurückgesetztes Dachgeschoss mit 2 Wohnungen und 2 Terrassen. In den 4 Treppenhäusern, von denen eines bis zum 9. Geschoss reicht, sind neben Etagentreppen und Müllschluckern die Schnellaufzüge angeordnet. Diese sind mit den Treppenhäusern aus dem Baukörper herausgezogen worden, um etwaige Geruch- und Geräuschbelästigungen auszuschließen. Die Aufzüge halten jeweils in dem Zwischengeschoss jeder zweiten Etage. Man wird daher eine halbe Treppe hinauf oder hinunter gehen, um den Fahrstuhl zu erreichen. Auf den Podesten zwischen den Fahrstuhlstationen liegen die durch Geruchsschleusen abgeschirmten Müllschlucker.

Ein 80 qm großer eingeschossiger Laden schließt auf der Westseite den Baukörper architektonisch ab.

Wohnungen: Die 67 Wohnungen des Hauses haben zusammen eine Wohnfläche von 5354 qm. Abgesehen von den Atelierwohnungen im Dachgeschoss haben alle übrigen 3 1/2 Zimmer eine Nutzfläche von durchschnittlich 77 qm. Alle Räume der Wohnungen sind vom Flur aus zu erreichen, so dass es den Mietern überlassen bleibt, diese als Wohn-, Schlaf- oder Arbeitsräume einzurichten.

Es sind 3 Wohnungstypen vertreten, die sich im Wesentlichen nur durch die Anordnung der Balkone unterscheiden. lm Typ I ist der Balkon der Küche und dem Schlafzimmer vorgelagert und auch seitlich, vom Wohnzimmer aus, zugänglich; beim Typ II erstreckt sich der Balkon über die ganze Breite des Wohnzimmers, und bei den Eckwohnungen, an der Ost- und Westseite, (Typ III), liegen die Balkone an den Schmalseiten des Hauses. lm 1. Geschoss wird der Typ I gebaut, im 2. und 3. der Typ II, sowie, an den Ecken der Typ III, das 4. und 5. Geschoss haben wieder den Typ l, die 6. und 7. Etage sind in den Typen II und III ausgeführt, und im 8. Geschoss finden wir noch einmal den Typ l. Diese Gliederung bedingt, dass die Balkone in jeder 2. Etage versetzt sind. Dadurch wurde eine interessante Fassadengliederung möglich, und außerdem erreicht man einen guten Sonnenschutz. Jede Wohnung hat Telefonanschluss und Anschlüsse an gemeinschaftliche Radio- und Fernsehantennen. Die Küchen sind mit Einbaumöbeln ausgestattet.

Bauleitung: Reg.-Baurat a. D. Gerhard Krebs (Berlin)
Statik: Dipl.-Ing. Hilda Harte (Berlin)
Prüfingenieur: Dr.-Ing. Hans Dienst (Berlin)
Gartengestaltung: Professor Hermann Mattern (Kassel-Wilhelmshöhe)
und René Pechére (Brüssel)

WALTER GROPIUS
Walter Gropius (* 18. Mai 1883 in Berlin; † 5. Juli 1969 in Boston) war ein deutscher Architekt und der Gründer des Bauhauses.
Walter Gropius ist ein Großneffe des bekannten Architekten Martin Gropius. Seine Eltern waren Walther Gropius, der seinerzeit Geheimer Baurat im Deutschen Reich war, sowie Manon Gropius, geb. Scharnweber.
Gropius lernte 1910 die Frau Gustav Mahlers, Alma Mahler kennen, begann ein Verhältnis mit ihr und heiratete sie 1915 einige Jahre nach Mahlers Tod. Ihrer gemeinsamen Tochter Manon (1916-1935) wurde nach ihrem frühen Tod durch Alban Bergs Violinkonzert „Dem Andenken eines Engels“ ein musikalisches Denkmal gesetzt. Die Ehe wurde 1920 geschieden.
Walter Gropius studierte an den Technischen Hochschulen in München und Berlin. 1907 trat er in das Büro von Peter Behrens ein, in dem neben ihm auch andere später berühmt gewordenen Architekten gearbeitet hatten, unter anderen Ludwig Mies van der Rohe und Le Corbusier. 1910, nach dreijähriger Mitarbeit bei Behrens, machte sich Gropius als Industriedesigner und Architekt selbständig. Als Formgestalter entwarf er Inneneinrichtungen, Tapeten, Serienmöbel, Autokarossen und eine Diesellokomotive. Seine erste bedeutende architektonische Arbeit war das Fagus-Werk in Alfeld an der Leine, das er zusammen mit Adolf Meyer baute. Dieser Fabrikbau gilt mit seiner Stahl- und Glasarchitektur als richtungsweisendes Werk der später so genannten „modernen Architektur“, die in den 1920er-Jahren unter der Bezeichnung „Neues Bauen“ oder „Neue Sachlichkeit“ zum allgemeinen Begriff wurde.
Für die Ausstellung des Deutschen Werkbundes 1914 in Köln baute Gropius mit Meyer zusammen eine Musterfabrik, die sich später ebenfalls als bedeutender Beitrag zur modernen Architektur erweisen sollte. Die Besonderheit dieses Baus waren rund verglaste Treppentürme, die als neues gestalterisches Motiv später, in den 1920er-Jahren, bei Erich Mendelsohn in seinen Warenhäusern häufige Verwendung fanden.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Gropius zum Begründer des Bauhauses. Das heißt, er wurde 1919 auf Vorschlag Henry van de Veldes als dessen Nachfolger zum Direktor der Großherzoglich-Sächsischen Hochschule für Bildende Kunst in Weimar ernannt und gab der neuen Schule den Namen „Staatliches Bauhaus in Weimar“. Gropius hatte das Amt des Direktors bis 1928 (zunächst in Weimar und später in Dessau) inne, welches er an den Schweizer Urbanisten Hannes Meyer übergab.
Ab 1926 beschäftigte er sich intensiv mit dem Massenwohnbau als Lösung der städtebaulichen und sozialen Probleme und trat für die Rationalisierung des Baugewerbes ein. Er entwarf zahlreiche Wohnbauprojekte wie die Siedlung Dessau-Törten (1926-1931), Dammerstock (1928-1929), Wohnblocks in der Siemensstadt in Berlin (1929/30) und das Projekt Wannsee-Uferbebauung, ebenfalls in Berlin (1930/31).
1934 emigrierte Gropius nach Angriffen der Nationalsozialisten auf das Bauhaus als der „Kirche des Marxismus“ nach England und 1937 weiter nach Cambridge (Massachusetts) (USA), wo er als Professor für Architektur an der „Graduate School of Design“ der Harvard University tätig war.
1946 gründete Gropius die Gruppe „The Architects Collaborative, Inc.“ (TAC) als Vereinigung junger Architekten, die für ihn zugleich ein Manifest seines Glaubens an die Bedeutung der Teamarbeit werden sollte. Ein Werk dieses Teams ist das Graduate Center der Harvard University in Cambridge (1949/50).
In seinen letzten Lebensjahren war Gropius wieder viel in Berlin tätig, wo er unter anderem 1957 im Rahmen der Interbau einen neungeschossigen Wohnblock im Hansaviertel errichtete. Die konkave Südfront und das offene Erdgeschoss gilt bei diesem Gebäude als typisches Beispiel einer sog. späten Moderne. 1963 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Freien Universität Berlin verliehen.
Werke (Auswahl)
• Fagus-Werk, Alfeld (Leine), 1. Bauabschnitt 1911-12, 2. Bauabschnitt 1913-14, Ergänzungen bis 1925
• Fabrikgebäude der Landmaschinenfabrik Gebr. Kappe & Co., Alfeld (Leine), 1922-1924
• Wohnhaus für Prof. Dr. Felix Auerbach, Jena, 1924
• Bauhaus Dessau, 1925-1926
• Meisterhäuser (Wohnhäuser der Bauhaus-Lehrer), Bauhaus Dessau, 1925-1926
• Zwei Häuser in der Weißenhofsiedlung in Stuttgart, 1927
• Wohnhaus für Therese Zuckerkandl, Jena, 1927-1929
• Pan Am-Wolkenkratzer in Manhattan, 1937
• Gropius Haus, Lincoln, Massachusetts, 1937
• Packaged House System zusammen mit Konrad Wachsmann (Lincoln (Massachusetts, USA)), 1941-1943
• Harvard University Graduate Center als erstes Projekt der TAC, 1948-1950
• Wohnhaus Stichweh, Hannover, 1952-1953
• Universität von Bagdad, als weiteres Projekt der TAC, 1957
• Bau der Gropiusstadt im damaligen West-Berlin, ab 1960
• Amerikanische Botschaft in Athen, 1956-1961
Wils (Willy Karl) Ebert, geboren 1909 in Dresden. Studium an der Technischen Lehranstalt in Dresden von 1924 bis 1926 und am Bauhaus in Dessau (1929 bis 1933), wo er bei Mies van der Rohe und Ludwig Hilbersheimer sein Diplom erlangt. 1934 eröffnet er sein eigenes Büro. Er war als Berater bei der Formgebung von Industrieerzeugnissen tätig, machte private städtebauliche Studien, besonders über Arbeits- und Wohnstättenplanung und stellte Generalbebauungspläne auf. Von 1945 bis 1949 leitete er im Berliner Hauptamt für Stadtplanung das Amt für Stadtplanentwurf. Im Oktober 1947 wurde Ebert zum außerordentlichen Professor an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin berufen. 1955 folgte die Ernnennung zum ordentlichen Professor. Seine Vorliebe galt der Gestaltung von Industrieerzeugnissen, von Öfen bis hin zu Möbeln und Armaturen. Ebert war Walter Gropius bereits in den 1930er Jahren beruflich verbunden, u. a. als Mitarbeiter im Privatatelier von Gropius in Berlin und in der gemeinsamen Arbeit im CIAM.