Gebäude 09

16geschossiges Wohnhaus
Architekten: J. H. van den Broek und J. B. Bakema, Rotterdam
Bartningallee 7, "Punkt"-Hochhaus

Lage: Das Gebäude wurde in der Gruppe der fünf etwa gleich hohen Punkthäuser im Norden des Hansaviertels gebaut. Es liegt zwischen den Objekten des Italieners Baldessari und des Hamburger Architekten Hassenpflug.

Es hat eine Grundfläche von 20 x 24 m und eine Höhe von 52 m. Der umbaute Raum beträgt 24.000 cbm. In den 16 Geschossen befinden sich 75 Wohnungen, die zusammen eine Wohnfläche von 5385 qm ergeben.

Konstruktion: Das tragende System wird durch Stützen und senkrechte Scheiben aus Stahlbeton gebildet. Die Außenwände werden mit vorgefertigten Betonplatten verkleidet.

Gliederung: Der Entwurf ist ein interessanter Beitrag zum Problem, ein Punkthaus wirtschaftlich zu nutzen und gleichzeitig möglichst vielen Wohnungen von zwei Seiten Licht sowie Querlüftung zu geben. Die Architekten bedienen sich hierzu eines Mittelganges, an den sich in der Höhe gestaffelte, in der Breite des Gebäudes durchlaufende große und in einer Ebene liegende Kleinwohnungen anschließen. Außerordentlich günstig ist es, dass der Mittelgang infolge der etwa quadratischen Grundfläche, des Gebäudes ziemlich kurz und von beiden Seiten vorzüglich beleuchtet ist. Nach Süden erweitert er sich zu einer zwei Geschosse durchlaufenden Loggia, einem besonnten Freiplatz im Hochhaus. Zwei Fahrstühle übernehmen den Verkehr. Sie halten jedoch nur in sechs Wohngeschossen. Von den insgesamt sechs Korridoren, die in Nord-Süd-Richtung das Haus durchziehen, werden die Wohnungen erschlossen. Zwölf Wohnungen liegen jeweils an einem Korridor. lm Norden befindet sich die leicht in den Baukörper hineingezogene Nottreppe, im Süden erweitern sich die Flure, zweigeschossig durchlaufenden Loggien, außerdem liegen dort Sonnen- und Spielterrassen für Kinder. Wohnungen: Von den insgesamt 73 Wohnungen haben 24 ein Zimmer (36qm) und 48 drei Zimmer (92qm). lm Erdgeschoss befindet sich eine Zweizimmerwohnung mit 55 qm für den Hauswart.

Die Wohnungen liegen entweder im gleichen Geschoss wie die Korridore (Einzimmerwohnungen) oder ein halbes Geschoss über oder unter diesen. Kurze Treppen (7 Stufen) führen zu den Eingängen dieser Dreizimmerwohnungen, die sich über die ganze Breite des Hauses erstrecken. Je nach der Lage des Eingangs am Korridor weist der Hauptraum nach Osten oder nach Westen. Die Einzimmerwohnungen - je vier an einem Korridor - hoben ein großes kombiniertes Wohn-Esszimmer mit offen angebauter Kochnische, ein WC und eine Duschanlage. Gegenüber den Eingängen dieser Wohnungen liegen je zwei Eingänge zu Dreizimmerwohnungen. Von diesen aus führt eine Treppe entweder hinauf oder hinunter in einen großen Wohnraum, vor dem über die ganze Breite der Wohnung eine Loggia liegt. Diese hat auch einen Zugang von der Küche her, die durch eine Durchreiche mit dem Essplatz verbunden ist. Diesen Teil der Wohnung verbindet eine weitere Treppe mit dem auf diese Weise getrennten Schlafteil. Zu diesem gehören neben Innenbad und WC ein geräumiges Elternschlafzimmer und ein Zweibett-Kinderzimmer. Die Kopfwohnungen an jedem Korridor haben zusätzliche Fenster nach Süden oder Norden. In dem um zwei bis vier Meter zurückgesetzten Erdgeschoss werden neben der Hausmeisterwohnung Abstellräume für Fahrräder, Kinderwagen usw. gewonnen. lm Dachgeschoss wird die Waschküche eingerichtet, die mit einer Terrasse und einem als Kinderspielplatz geeigneten Dachgarten verbunden ist.

Das Objekt der beiden holländischen Architekten, das erst 1958 fertiggestellt wurde, hat als letztes Glied die Kette der fünf Punkthäuser am Nordostrand des Hansaviertels abgeschlossen. Es wurde, wie die meisten Häuser im neuen Berliner Hansaviertel, auf vorverdichtetem Baugrund errichtet. Dazu hebt man den alten, nicht mehr tragfähigen Boden aus und ersetzt ihn durch Ziegelmehl. Dieses feinkörnige Mehl fällt bei der Ziegelsplittgewinnung aus beschädigten Mauersteinen an, die bei der Enttrümmerung kriegszerstörter Ruinen geborgen werden. Das Ziegelmehl wird in Lagen von etwa 60 cm Stärke eingebracht und dann mit einem Rüttelgerät verdichtet. Dieses Verfahren hat sich im Berliner Hansaviertel, dessen Baugrund nicht allzu gut ist, als weniger kostspielig erwiesen als etwa eine Bodenverdichtung durch Rammpfähle.

J.H VAN DEN BROEK, J.B. BAKEMA
Johanne Hendrik van den Broek, geboren 1898 in Rotterdam. Studienabschluss zum Bauingenieur an der Technischen Universität in Delft. Von 1927 bis 1937 arbeitet er als Bauingenieur und Architekt in Rotterdam. 1937 schloss sich van den Broek mit Johannes Andreas Brinkman zusammen. 1948 mit Jacob Berend Bakema. Sein Werk umfasst alle Sparten des Bauens. Öffentliche Bauten, Krankenhäuser, Industriebauten, Geschäftshäuser, Wohnbauten. 1947 erhielt er eine Professur an der Technischen Universität Delft.Van den Broek war in vielen Institutionen und Organisationen tätig. U. a. Mitglied des Exkutivausschusses der „Union Internationale des Architects“ und spielte als Mitglied des „Team Ten“ eine wichtige Rolle innerhalb der CIAM in der Nachkriegszeit. Von ihm gibt es zahlreiche Veröffentlichungen in Fachzeitschriften. Zusammen mit Jacob Berend Bakema war er wesentlich beteiligt am Wiederaufbau von Rotterdam, u. a. an der Geschäftsstrasse „lijnbaa“.
Jacob Berend Bakema, (* 3. März 1914 in Groningen; † 20. Februar 1981) Studienabschluss 1941 mit einem Projekt bei Mart Stam. Bereits während des Studiums arbeitete J. B. Bakema in verschiedenen Büros, u. a. von 1939 bis 1942 im Büro von Willem van Tijen in Rotterdam. 1945 gründete er sein eigenes Büro in Groningen und wurde Mitherausgeber der Zeitschrift „De Vrije Kunstenaar“. Von 1946 bis 1948 war er im städtischen Wohnungsdepartment in Rotterdam tätig. Im selben Jahr erfolgte die Gründung des Büros mit J. H. van den Broek. 1953 wurde J. B. Bakema Ratsmitglied der CIAM (Congres Internationaux d Architecture Moderne).