Gebäude 04

Architekt: Dipl.-Ing. Schneider-Esleben, Düsseldorf
4 geschossiges Wohnhaus
Klopstockstraße 25-27, "Zeilen"-Hochhaus

Der frei stehende Zeilenbau liegt im Westen des Hansaviertels zwischen der Klopstockstraße und der
S-Bahn mit der Längsachse in Ost-West-Richtung. Er ist 56 m lang, 9,30 m tief, 11,80 m hoch und hat in seinen vier Wohngeschossen zwanzig, sich jeweils durch zwei Geschosse erstreckende Wohnungen (Maisonettetyp).

Konstruktion: Das Haus wurde aus unbewehrtem Schüttbeton (Einkornbeton) in Schottenbauweise errichtet; tragende Konstruktionselemente sind also die Querwände. Auf dem durch verdichtetes Ziegelmehl gefestigten Baugrund stehen 11 Schotten im Abstand von 5,50 m. Quer dazu verläuft innen, als Trennung zwischen Haupt- und Nebenräumen, eine Installationswand, die alle erforderlichen Installationsleitungen und Kamine enthält und zugleich die Windversteifung in der Längsrichtung bildet. Die 20 cm starken Betonrippendecken sind von Schotte zu Schotte gespannt. Der Zugangsbalkon der oberen Wohnungen und die beiden äußeren Treppentürme werden in Sichtbeton errichtet. Die Auskragungen der Podeste und Treppenläufe aus dem inneren Betonkern ermöglichen es, die Außenwände durch eine vorgehängte Plexiglashaut allseitig transparent zu machen.
Die Außenflächen zwischen den tragenden Schotten und Decken werden durch Holzfensterkonstruktionen und Scheibenwände aus Gasbetonplatten gebildet. Die inneren Raumtrennwände bestehen aus 5 cm dicken Ziegelsplittplatten.

Gegen Witterungseinflüsse werden die Schotten mit einem Kiesel-Kratzputz versehen. Die außen sichtbaren Deckenstreifen bleiben unverputzt, während die dazwischenliegenden unbelasteten Leichtbauwände eine witterungsbeständige Plattenverkleidung erhalten.
Die Fußböden aller Räume bestehen aus schwimmendem Estrich und einem Spachtelbelag. Die Betondecke über dem obersten Geschoss erhält eine etwa 16 cm starke Blähtonauflage als Wärmedämmung, als Dachhaut wird ein Zementestrich mit Spachtelbelag aufgetragen.

Gliederung: Die Nähe der S-Bahn verlangt die Anlage eines ausgesprochenen Südtyps. Alle Wohn- und Schlafzimmer werden also nach Süden orientiert, dagegen Eingänge, Küchen, Bäder und Abstellräume nach Norden. Da die Wohnungen, wenn sie sich nur über eine Ebene erstrecken würden, wesentlich breiter sein müssten, als es der statisch wirtschaftliche Schottenabstand (5,50 m) zulässt, die Schottenwände aber nicht durchbrochen werden dürfen, wurden die Wohneinheiten zweigeschossig übereinander angeordnet. So befinden sich zwischen den Schotten je zwei Wohneinheiten. Es handelt sich also im Grunde um zwei aufeinandergestellte Einfamilien-Reihenhäuser, deren Anordnung eine besonders wirtschaftliche Erschließung zu lässt.

In der unteren Etage der unteren Maisonnettes liegen zu ebener Erde im Norden der Eingang und die Küche; nach Süden, zum Garten hin, öffnet sich der Wohnraum. Im Wohnraum führt eine Innentreppe in das 1. Obergeschoss mit Bad und Abstellkammer im Norden und Eltern- und Kinderschlafzimmer im Süden. Zwei außenstehende Treppenhäuser führen über einen ausgekragten Zugangsbalkon an der Nordseite in die oberen Wohnungen. Eingang und Küche liegen auch hier an der Nordseite, Wohnzimmer mit Terrasse im Süden. Eine Innentreppe führt von diesem Wohnungsteil hinab in das zweite Obergeschoss, in dem Schlafzimmer und Bäder liegen. Um Geräuschbelästigungen zu vermeiden und die Bereiche des Wohnens und Schlafens klar zu trennen, hat man die Schlafräume in den beiden mittleren Etagen zusammen gefasst und damit eine,,ruhige Zone" in dem Haus geschaffen. Die Wohnteile liegen darüber und darunter. Die Wohnräume sind zurückgesetzt, so dass große überdeckte Wohnterrassen entstehen. Blumenfenster in den Wohnräumen betonen den Einfamilienhauscharakter der Wohnungen. Jede der 20 gleichen Wohneinheiten besteht aus Eingangsflur, Wohnraum, Küche, Elternschlafzimmer (2 Betten), Kinderschlafzimmer (2 Betten), Abstellkammer (evtl. 1 Bett), Bad, Terrasse und einem Wandschrankflur. Die Wohnfläche beträgt 79 qm, zusätzlich ist ein Kellerraum mit 9,50 qm vorhanden. lm vollausgebauten Kellergeschoss befinden sich ferner zwei Trockenräume. Außerdem liegen hier gemeinschaftliche Abstellräume für Fahrräder und Kinderwagen und ein Raum für die Installationsanschlüsse.

Statik: Dipl.-lng. Werner Thiedke (Berlin)
Bauleitung: Architekt Georg Müller (Berlin)
Gartengestaltung: Renè Pechère (Brüssel)
und Hermann Mattern (Kassel-Wilhelmshöhe)

PAUL SCHNEIDER-ESLEBEN
Paul Schneider-Esleben (auch: Paul Maximilian Heinrich Schneider von Esleben) (* 23. August 1915 in Düsseldorf, † 19. Mai 2005 in Fischbachau am Schliersee) war ein deutscher Architekt, der insbesondere die Nachkriegsarchitektur geprägt hat.
Paul Schneider-Esleben wurde 1915 als Sohn des Düsseldorfer Architekten und Denkmalpflegers Franz Schneider geboren. Zusammen mit seinem Vater, der für die Restaurierung westfälischer Wasserburgen und mittelalterlicher Kirchen des Landes zuständig war, realisierte er beispielsweise den Kryptabau der Abtei Königsmünster. Bekannt wurde Schneider-Esleben, der bei Rudolf Schwarz in Frankfurt seine ersten Berufsjahre nach Krieg und Gefangenschaft verbrachte, zuerst durch seine 1950-52 erbaute gläserne Hochgarage ("Haniel-Garage") am Lichtplatz in Düsseldorf, mit der er an die Tradition der Vorkriegsmoderne in Deutschland anknüpfte.
Das 1962 errichtete Punkthochhaus der Commerzbank und das 1957 fertig gestellte Mannesmann-Verwaltungsgebäude am Rheinufer (beide in Düsseldorf) gelten als wichtige Hochhäuser der frühen deutschen Nachkriegsarchitektur im International Style. Neben diesen Großprojekten schuf der Architekt Einfamilienhäuser und Kirchen. Als sein bedeutendster Sakralbau gilt die 1954 in Düsseldorf errichtete St.-Rochus-Kirche.
In den sechziger Jahren wurde Schneider-Esleben vom Brutalismus beeinflusst. Sein bedeutendstes Werk aus dieser Zeit ist der Köln-Bonner Flughafen, den er als ersten „Drive-in-Airport“ in Europa mit vier Satelliten konzipierte. Sein „Stufenhaus“ der ARAG-Versicherung aus den sechziger Jahren wurde 1998 abgerissen. Das von ihm entworfene Hochhaus der Stadtsparkasse Wuppertal stellt dagegen immer noch das höchste Gebäude der Stadt dar.
Bis zuletzt nahm der Architekt regen Anteil am Umgang mit seinen Bauten, vor allem am Flughafen: Durch die umfangreichen Um- und Anbauten durch den Deutsch-Amerikaner Helmut Jahn sah Schneider-Esleben sein Urheberrecht verletzt. Erst nach längerem Disput trat er im Februar 2005 sein Recht, an allen baulichen Veränderungen beteiligt zu werden, gegen Zahlung von 175.000 Euro an die Flughafenbetreiber ab. Der Düsseldorfer Architekt Prof. Dr. Dipl.-Ing. Paul Schneider-Esleben ist der Vater von Florian Schneider-Esleben, einer der Gründer der Band Kraftwerk. Er ist am 19. Mai 2005 im Alter von 89 Jahren auf seinem Gut in Fischbachau am Tegernsee gestorben.
Zitate
• ... In seiner Reduktion der Form auf "Haut- und Knochenarchitektur" griff Schneider-Esleben dabei Ideen von Ludwig Mies van der Rohe auf ... (Die Welt 24. Mai 2005)
• Wie eine Gletscherzunge schlängelt sich die gezackte Betonphalanx der Empfangsgebäude auf das Flugfeld vor. (SZ zum Flughafen Köln-Bonn, 1970)