Gebäude 03

Architekten: Professor Wassili Luckhard und
Baurat Hubert Hoffmann, Berlin
Klopstockstraße 19-23, "Zeilen"-Hochhaus

4 geschossiges Wohnhaus
Das Haus gehört zu den fünf viergeschossigen Zeilenbauten, die im Westen des Hansaviertels zwischen der Klopstockstraße und der S-Bahn entstehen. Länge: 65 m, Breite: 10 m, Höhe: 13 m, umbauter Raum: 9244 cbm. Insgesamt werden in dem Gebäude 28 Wohnungen mit einer Wohnfläche von zusammen 1745 qm gewonnen.

Konstruktion: Schottenbauweise in Ziegelsplitt-Einkornschüttbeton. Die tragenden Wände sind 18,75 bis 31,25 cm dick. Die Trennwände innerhalb der Wohnungen sind gipsgebundene Koksschlacken Anwurfwände. Das Gebäude ist voll unterkellert.

Gliederung: Der Zeilenbau ist nordsüdlich orientiert. Alle Wohn- und Schlafräume liegen hinter einer durchgehenden Loggia auf der Südseite, Küchen und Nebenräume auf der Nordseite. Die drei Treppenhäuser auf der Nordseite bilden transparente Bindeglieder, die den Bau plastisch unterteilen und seinen Charakter als "Scheibenhaus" (Schottenbauweise) deutlich erkennen lassen. Die Treppe ist hier ein stark betontes Gestaltungselement.

Wohnungen: Wie bei verschiedenen anderen Objekten im neuen Hansaviertel wird auch hier eine recht große Vielfalt von Wohnungstypen erreicht, die in Größe und Funktion dem sozialen Querschnitt der geplanten städtebaulichen Einheit entsprechen.

So werden in diesem Haus zum Beispiel 28 Wohnungen in zwölf verschiedenen Typen gebaut: 2 mit je 95 qm (3 3/2 Zimmer), 2 mit je 94 qm, 8 mit je 73 qm, 6 mit je 68 qm, 4 mit je 50 qm, 6 mit je 27 qm (Einzimmerwohnung). 2 Wohnungen haben die, „Maisonette-Form“, sie ziehen sich - mit einer Innentreppe – durch zwei Geschosse. Einige Wohnungen sind auch auf das Wachsen oder Kleiner-werden der Wohngemeinschaft der Familie abgestellt. Zwischen einer Zwei- und einer Dreizimmerwohnung liegt jeweils eine Einzimmerwohnung, die bei Bedarf hinzugenommen werden kann. Auf diese Weise sind vielfältige Kombinations- und Variationsmöglichkeiten gegeben, die durch das einfache Konstruktionsprinzip erleichtert werden. lm Keller sind Abstellräume und Waschküchen für die Mieter vorgesehen.

Statik: Dipl.-Ing. Werner Thiedke (Berlin)
Örtliche Bauleitung: Dipl.-lng. Gerhard (Berlin)
Gartengestaltung: Renè Pechère (Brüssel, Belgien) und
Professor Hermann Mattern (Hannover)

WASSILI LUCKHARDT, HUBERT HOFFMANN
Wassili Luckhardt
(* 22. Juli 1889 in Berlin; † 2. Dezember 1972 in Berlin) war ein deutscher Architekt.
Er studierte an der Technischen Hochschule in Berlin und Dresden. Luckhardt arbeitete zeitlebens eng mit seinem Bruder Hans zusammen. Beide waren Mitglieder der Novembergruppe, des Arbeitsrates für Kunst, der Gläsernen Kette und, ab 1926, der Vereinigung fortschrittlicher Architekten Der Ring. Die Brüder teilten sich ein Büro mit dem Architekten Alfons Anker (*1872, †1952).
Leben • 1907 bis 1914 Studium an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg und Dresden, unterbrochen durch den Ersten Weltkrieg
• 1921 bis 1954 gemeinsames Architekturbüro mit seinem Bruder Hans
• 1924 bis 1934 gemeinsames Büro mit Alfons Anker
• 1955 Mitglied der Akademie der Künste, bis 1959 als stellvertretender Direktor der Abteilung Baukunst
• 1958 Kunstpreis der Stadt Berlin
• 1962 Ehrendoktorwürde der Technische Universität Berlin In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts gehörten die Brüder Luckhardt zu den aufstrebenden jungen Architekten in Berlin. Ursprünglich dem Expressionismus zugewandt, sind ihre Bauten typische Beispiele des Neuen Bauens mit Skeletten aus Stahl oder Stahlbeton.
Während des Nationalsozialismus versuchten die Brüder Luckhardt anfänglich, sich mit den neuen Machthabern zu arrangieren und traten sogar der NSDAP bei. Es stellte sich aber schnell heraus, dass die offizielle Staatslinie nach einer anderen Architektursprache verlangte. Sie erhielten Berufsverbot und konnten in dieser Zeit nur drei Einfamilienhäuser bauen, die sich im Äußeren der vorgegebenen Erscheinung unterordnen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchten sie an die Vorkriegszeit anzuknüpfen. Nach dem Tod seines Bruders Hans führte Wassili Luckhardt das Büro allein weiter. Der 1959 gewonnene Wettbewerb für des Haus der Bremischen Bürgerschaft wurde erst nach langen Diskussionen und mehrfacher Überarbeitung realisiert. 1960 war er einer von drei geladenen Architekten für den Wettbewerb zur Umgestaltung des Berliner Reichstagsgebäudes.
Bauten (Auswahl)
• Reihenhäuser an der Schorlemerallee (Versuchssiedlung), Berlin-Zehlendorf (1925-30, teilweise verändert)
• Geschäftshaus Tauentzienstraße, Stadtküche Kraft, Berlin (1925, im Krieg zerstört)
• Chrysler-Haus, Berlin (1927, 1961 abgerissen)
• Geschäftshaus Hirsch, Berlin (1926-27)
• Haus Buchthal, Berlin-Charlottenburg (1928, später umgebaut und erweitert)
• Telschow-Haus, Berlin-Tiergarten (1928-29, im Krieg zerstört)
• Landhaus Kluge, Berlin-Charlottenburg (1929)
• Wohnhäuser „Am Rupenhorn”, Berlin (1919-32)
• Landhaus Bibersteig, Berlin (1939)
• Berliner Pavillon auf der Constructa 1951, Hannover (1951, zerstört)
• Wohnhochhaus am Kottbusser Tor, Berlin,
(1952-55)
• Wohnbau für die Interbau (Objekt 9), Klopstockstraße, Berlin-Tiergarten (1957)
• Eigenes Wohnhaus, Berlin-Zehlendorf (1957)
• Landesversorgungsamt Bayern, München-Maxvorstadt, (1953-57,1989 abgerissen)
• Haus der Bremer Bürgerschaft, Bremen (1959-66)
• Veterinärmedizinisches Institut der FU Berlin, Koserstraße (1963-67)
• Pflanzenphysiologisches Institut der FU Berlin (1962-70) Projekte (Auswahl)
• Wettbewerb Deutsches Hygiene-Museum Dresden (1920)
• Wettbewerb Hochhaus am Bahnhof Friedrichstraße, Berlin (1922)
• Wettbewerb Neugestaltung des Alexanderplatz, Berlin (1929)
• Turmhausprojekt am Potsdamer Platz, Berlin (1930)
• Medizinische Hochschule Preßburg (1933)
• Wettbewerb „Rund um den Zoo”, Berlin (1948)
• Wettbewerb für die Umgestaltung des Reichstagsgebäudes, Berlin (1960)
Hubert Hoffmann
*23. März 1904 in Berlin; †25. September 1999 in Graz/Österreich.
Studium bei Walter Gropius, Hannes Meyer und Ludwig Hilbersheimer am Bauhaus in Dessau. Lehrstuhl an der Technischen Hochschule in Berlin, am Institut für Städtebau und Kraftverkehr. Wohnbauten für öffentliche und private Bauherren, darunter die Siedlung Finkenheerd. Gemeinsam mit Hans Christian Müller und Stefan Wewerka hat er den Entwurf für die Bundesjugendherberge auf dem Venusberg in Bonn erarbeitet, die 1955 realisiert wurde. Seit 1932 war H. Mitglied des CIAM. Zusammen mit Johannes Göderitz und Roland Rainer veröffentlichte er 1957 das Buch „Die gegliederte und aufgelockerte Stadt“. H. war wesentlich an der Vorbereitung der Ausstellung „Die Stadt von morgen“ der Interbau von 1957 beteiligt.